1786 erteilt das Domstift St. Petri zu Bautzen das Privilegin Form von 40 Artikeln (Vorschriften) die einzuhalten sind.

 

Hier die wörtliche Wiedergabe der Einleitung aus der Altdeutschen Schrift:

 

Budissin aufn Decanate 19.Juli 1786

 

Wir Administrator Ecolesiasticus Decanus, Senior, Cantor, Scholasticus, Canonici und ander Capitulares des hochbefreiten Domstifts St. Petri zu Budißin

 

Urkunden und bekennen hierdurch welcher Gestalt uns unser getreuen Untertanen die Gemeinde zu Nieder- und Neucunnersdorf untertänig zu erkennen gegeben, wie sich einige unter ihnen wegen ihrer Zeit her und seit mehreren Jahren gehaltenen solennen scheiben Schießens, zu Erhaltung guter Ordnung und Eintracht unter einander verschiedener Articul halber verglichen, und dabei untertänig gebeten, wir möchten in dieser verglichener Articul und Punkte unser obrigkeitliche und herrschaftliche Einwilligung erteilen und dieselben von Obrigkeit wegen konfirmieren und die Gesellschaft dabei obrigkeitlich schützen.

 

Es lauten aber viele verglichenen Articul folgender Gestalt: Es folgen 40 Articul.

 

Aus den durchgeführten Recherchen konnten folgende noch vorhandenen Aufzeichnungen ermittelt werden:

 

In einem Notizbuch des damaligen Mitgliedes der PSG A. Beiger fand 1804 ein „privilegiertes Hauptschießen statt, bei dem Personen aus umliegenden Orten teilnahmen. Dass es 1811 militärisch zuging, beweist hier die Wahl des Generales für die gesamte PSG und die Wahl der Offiziere für die 1. u.2. Compagnie.

 

1814 findet ein „privilegiertes Haupt Scheibe Schießen lt. Tabelle statt. Es haben sich 141 Teilnehmer eingetragen. Das im Gemeindeamt befindliche Holzbild von 1823 ist

ein Andenken an die „National Formierung und stellt die bis dahin übliche Uniform der PSG und die „Neuuniformierung dar.

 

Im alten „Listenbuch“ der SG wird 1867, erstmals eine eigene 18 Mann starke Musikkapelle angeführt und die Anzahl der Schützen mit 53 Personen, angegeben.

 

Am 09. August 1886 wird das 100 jährige Bestehen feierlich mit Fahnenweihe begangen. Die Fahnen sind trotz Nachforschung leider verschollen.

 

1895 zählt die PSG 70 Mitglieder, davon 41 Schützen, 12 Jungschützen, 17 Mann Kapelle.

 

Seit dem Jahre 1909 existiert die Musikkapelle nicht mehr.

2 Regeln wörtlich aus der altdeutschen Schrift übersetzt:

Reglement

Hier an dem Schießstande, während des Hauptschießens, soll den Herrn Schützenältesten und Offizier das Vortreten erlaubt sein: weil selbige durch andere Geschäfte, die Ordnung der Reihe nicht erwarten können. Sodann wird jeder Hoch zu verehrende Schütze höflichst ersucht, sobald einer von oben benannten im Stande erscheint, sogleich vorzulassen und sein Gewehr abzuschießen.

 

Niedercunnersdorf, den 15. Aug. 1825

Das Direktorium

 

Von dem übrigen Geld erhält der König den dritten Teil als Gewinn, der Marschall nachher den 8. Teil. Als dann werden die aufgelaufenen Kosten abgezogen und der übrige Teil an die folgenden besten Schüsse verteilt. Den König und Marschall Schuss kann ein auswärtiger Schütze nicht erhalten.

 

Niedercunnersdorf d. 14. August 1865

Das Direktorium

 

Das Schießen wurde vermutlich seit alters her auf der Flur des Kretscham-Gutes durchgeführt.

In Hermann Penthers Häuserchronik ist zu Lesen: „Im Jahr 1827 neu erbaut, ein Schießhaus ganz gemauert und mit Ziegeln gedeckt, 8 Ellen hoch, 20 Ellen lang, 11 Ellen breit“.

Die Häuserchronik recherchierte Penther in den 1930er Jahren aus den Schöppenbüchern und Überlieferungen. Dem Text nach, muss vorher schon eine Gebäude existiert haben. Es ist anzunehmen, dass sich beide an Stelle des späteren Schützenhauses, jetzt Vereinsheim der Kleintierzüchter, befanden. Der Scheibenstand, eine große, dicke Mauer mit davor befindlicher Grube bzw. Bunker befand sich noch bis in die 50er Jahre auf dem jetzigen Grundstück des Agrarbetriebes Hoffmann. Geschossen wurde mit großkalibrigen Waffen parallel zum Kretscham - Feldweg, heute Straße zum Gewerbegebiet.

 

Laut Ortschronik von R. Kießling, gab es verschiedene Termine für die Durchführung des Schießens.

 

„Die Hauptveranstaltung der Schützen war das Königsschießen. Es wurde ursprünglich zu Pfingsten (Mittwoch und Donnerstag) durchgeführt. Dazu kamen noch im August ein Lagenschießen, das keineswegs die Bedeutung des Königsschießens hatte und nach dem Bau der Kirche ein Scheibenschießen zum Kirchweihfest.

 

1817 hatte sich das August-Schießen, das als Freischießen bezeichnet wurde, durchgesetzt. Die Aufmärsche der Schützen lockten die Schaulustigen an. Die günstige Jahreszeit trug dazu bei, dass von weit und breit Menschen herbeieilten, das Schauspiel zu genießen“

In der Zeit kurz vor und während des 1. Weltkrieges finden sich keine Aufzeichnungen.

Aber bereits 1920 sind wieder viele Männer aus den umliegenden Orten Mitglied der PSG.

Ein freudiges Ereignis für die PSG ist die am 7. Juni 1925 festliche Einweihung des neu erbauten Schützenhauses.

 

Bauherrin war die damalige Besitzerin des Kretschamgutes. Das Gebäude wurde an Stelle des alten Schießhauses errichtet. Eigentümer blieben die jeweiligen Besitzer des Kretscham bzw. des Flurstückes bis zur Veräußerung 1972

 

Ebenfalls im Jahre 1925 baute die Schützengesellschaft den so genannten Budenschuppen mit Genehmigung der Grundstücksbesitzerin. Dieser Bau wurde erforderlich, weil die Schützen für die Ausrichtung des Jahrmarktes zuständig waren. Es mussten die Utensilien zum Bau der Buden, Stände, Zelte usw. bis zum nächsten Jahr ordentlich gelagert werden.

 

Auf Grund der Zunahme des Vereinslebens, steigender Mitgliederzahlen und des immer größer werdenden Marktes waren diese Baulichkeiten notwendig und willkommen.

 

Im Frühjahr 1936 fand der Ein- bzw. Anbau eines Kleinkaliber-Schießstandes in das Schützenhaus statt. Die Finanzierung erfolgte durch den damaligen Steinbruchbesitzer Arthur Keller. Der KK-Stand wurde unter dem GK-Stand auf der Westseite des Schützenhauses eingebaut. Die hölzernen Aufbauten vor beiden Ständen waren bauseits geforderte Luken durch die aus Gründen der Sicherheit geschossen wurde. Der KK-Scheibenstand befand sich etwa in gleicher Entfernung wie der Budenschuppen und hatte eine mechanische Scheibenanlage.

Leider ist der gesamte Schießstand nach dem Krieg liquidiert worden.

 

Im Dezember 1936 überlässt Keller der Grundstücksbesitzerin die Baulichkeiten des KK-Standes kostenlos. Dafür schenkt diese der PSG das Flurstück auf dem der Budenschuppen gebaut wurde. Beides ist vor einem Notar vollzogen worden.

 

Nach dem Krieg, im Jahr 1948, wurde der Budenschuppen enteignet.

Neuer Besitzer wurde die Jugendheim GmbH Dresden für die Nutzung durch die FDJ-Ortsgruppe.

 

1951 ist Rechtsträger bereits der Rat der Gemeinde. Im Untergeschoss wurden weiterhin die Materialien für den Jahrmarkt, das „Schissn“ gelagert. Das Obergeschoss diente bis 1989 schulischen Zwecken u.a. als Werkraum.

 

1990/91 wurde von der Gemeindeverwaltung Restitutionsanspruch zur Übertragung in Gemeindeeigentum gestellt und realisiert.

Zur weiteren Durchführung des „Schissens“ war unbedingt das Vorhandensein einer ordentlichen Toilettenanlage erforderlich. Damit entstand der Beschluss zur Rekonstruktion des Budenschuppens mit dem Ziel diesen als Mehrzweckgebäude auszubauen.

 

Zu Beginn des Jahres 2002 fand sich eine kleine Gruppe Interessierter um die bis 1939 existierende „Privilegierte Schützengesellschaft Niedercunnersdorf" wieder ins

Leben zu rufen. Nach umfangreichen Recherchen und Beratungen konnte dann am 20. Juni 2002 die Versammlung zur Wiedergründung stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt bestand die PSG aus 12 Mitgliedern.

 

Die Planung und Realisierung erfolgte 2002/2003. Zur Nutzung des Obergeschosses gab es mehrere Interessenten und Meinungen. Da es sich immerhin um Alteigentum der Schützen handelte, wurde das Obergeschoss folgerichtig der PSG als Vereinsheim überlassen.

 

Im Untergeschoss befindet sich nun eine großzügige moderne Toilettenanlage für Besucher des Jahrmarktes und Veranstaltungen der PSG. Ein Lagerraum, wie bisher, ist nicht mehr erforderlich.

 

Bereits im November 2003 konnte, finanziert von der PSG, die Einrichtung und Möblierung der neuen Räume vorgenommen werden. Im gleichen Jahr wurde der Bauantrag für eine Druckluftwaffen-Raumschießanlage gestellt und es begannen bauvorbereitende Maßnahmen.

Die Fertigstellung erfolgte 2005. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie auch als Stätte für Feierlichkeiten anderer Vereine oder von Einwohnern genutzt werden kann. Seit der Wiedergründung der Privilegierten Schützengesellschaft hat sich die Mitgliederzahl bei durchschnittlich 30 Schützenbrüdern und -Schwestern eingependelt. Dabei sind, wie in früheren Jahren, auch wieder Mitglieder aus umliegenden Orten zu verzeichnen.

 

Zum Abschluss noch die Übersetzung eines Artikels aus dem erteilten Privileg des Domstiftes zu Buddisin von 1786.

 

„Articul 1

Ein jeder der sich zur gegenwärtigen Schützengesellschaft begiebt und dem Schießen zu seiner Übung und Lust beiwohnen will, soll sich schied- und friedlich bezeigen und aller ungeziemenden, unehrbaren noch mehr aber unchristlichen und ärgerlichen Dinge, sonderlich des Gottes lästerlichen Fluchens und Schwörens gänzlich enthalten; würde jedoch ein oder das andere Mitglied der Schützengesellschaft unbedachtsamer Weise von einem angewählten Fluche oder Schwure übereilt, so verbüßet er lgl und verfällt bei beharrlicher schlechter Aufführung gerichtliche Strafe“

 

Quellen:

Kreisarchiv Zittau

Gemeindearchiv

Notizbuch v. A. Beiger

„Listenbuch“ der Schützen v. E. Sauerstein

 

einladung1937

Auszug der Satzung von 1904